GEO & AI Search

Beantwortet Google die Fragen Ihrer Kunden schon selbst? 50 B2B-Suchen im Test

Louis MünchLouis Münch24. August 202611 Min. Lesezeit
Kühle Alpenlandschaft zur blauen Stunde: ein Grat teilt die Szene in zwei ungleiche Hälften, die linke Flanke liegt im Schatten, die rechte fängt das letzte Schneelicht.

50 deutsche B2B-Suchen im Test: Bei Dienstleistungen steht in 86 % eine KI-Antwort über den Ergebnissen, bei gegenständlichen Produkten in keiner einzigen.

Beantwortet Google die Fragen Ihrer Kunden schon selbst? 50 B2B-Suchen im Test

Die Frage kommt inzwischen in jedem zweiten Gespräch: Wenn Google die Antwort oben selbst hinschreibt, klickt dann noch jemand auf uns? Und wenn nein, was heißt das für ein Marketingbudget, das seit Jahren in Sichtbarkeit fließt?

Wir wollten das nicht schätzen. Am 24. August 2026 haben wir 50 deutsche B2B-Suchbegriffe abgefragt, wie sie ein Einkäufer oder Geschäftsführer im Mittelstand tatsächlich eingibt, und ausgezählt, was Google über den Ergebnissen anzeigt. Das Ergebnis war deutlicher, als wir erwartet hatten, und es fiel nicht dorthin, wo die Branche gerade hinzeigt.

In 31 der 50 Suchen stand eine KI-Antwort. Das ist die Kopfzahl, und sie ist die uninteressanteste des ganzen Datensatzes. Denn die 31 verteilen sich nicht zufällig.

Auf einen Blick

  • Bei Dienstleistungen und Software stand in 31 von 36 Suchen eine KI-Antwort (86 %). Bei gegenständlichen Produkten und Lohnfertigung in 0 von 14.
  • KI-Antwort und Kartenausschnitt schließen sich aus. In keiner der 31 Suchen standen beide.
  • In 29 der 31 Fälle stand der KI-Block auf Platz 1 und schob den ersten organischen Treffer optisch auf Platz 2.
  • 57 % der zitierten Quellen standen ohnehin in den organischen Top 10. In keiner einzigen Antwort fehlte jede Top-10-Domain.
  • Meistzitierte Quelle war YouTube: in 15 von 17 auswertbaren Antworten.

Wie wir gemessen haben

50 Suchbegriffe, Google.de, Standort Deutschland, Desktop, abgefragt am 24. August 2026 über die Live-SERP-Schnittstelle von DataForSEO. Die Begriffe decken das ab, was ein mittelständischer Betrieb einkauft oder anbietet: von „cnc fertigung dienstleister“ und „kunststoffspritzguss lohnfertigung“ über „erp system mittelstand“ und „datenschutzbeauftragter externer“ bis „kontraktlogistik anbieter“ und „fördermittel beratung unternehmen“.

Vor der Abfrage haben wir jeden Begriff einer von zwei Gruppen zugeordnet. In die eine kamen Dienstleistungen, Beratung und Software, also alles, was man erklären muss, bevor man es kauft. In die andere kamen gegenständliche Produkte, Maschinen, Fertigung und Handwerk. 36 Begriffe fielen in die erste Gruppe, 14 in die zweite. Diese Einteilung stand fest, bevor wir die Ergebnisse gesehen haben.

Der Datensatz liegt als CSV im Repository und enthält für jeden Begriff die Kategorie, ob eine KI-Antwort erschien, auf welcher Position, ob ein Kartenausschnitt ausgespielt wurde, wie viele Quellen zitiert wurden und wie viele davon auch organisch in den Top 10 standen. Sie können jede Zahl in diesem Artikel damit nachrechnen.

Eine Einschränkung vorweg, weil sie die Auswertung an einer Stelle begrenzt. Von den 31 KI-Antworten waren 17 vollständig ausgeliefert, 14 werden von Google asynchron nachgeladen. Bei diesen 14 lässt sich aus einem Seitenabruf nicht ablesen, welche Quellen Google zitiert. Alle Aussagen über Zitate in diesem Artikel beziehen sich deshalb auf die 17 vollständigen Antworten, nicht auf alle 31. Wo wir 17 meinen, steht 17.

Der Riss läuft zwischen erklärungsbedürftig und gegenständlich

Zwei Balken im Vergleich: Dienstleistung und Software 86 Prozent mit KI-Antwort, gegenständliche Produkte und Fertigung 0 Prozent

31 von 36 Dienstleistungs- und Softwaresuchen hatten eine KI-Antwort. Von den 14 Produkt- und Fertigungssuchen hatte sie keine einzige. Null.

Bei einer Stichprobe dieser Größe ist eine solche Trennung ungewöhnlich sauber. Sie hat auch keinen Zufallscharakter, sondern einen Mechanismus, und den sieht man, wenn man sich ansieht, was Google stattdessen zeigt.

Wer „werkzeugbau dienstleister“ oder „industrietore hersteller“ sucht, bekommt einen Kartenausschnitt mit Anbietern in der Nähe. 16 der 19 Suchen ohne KI-Antwort hatten einen solchen Kartenblock. Wer dagegen „iso 9001 zertifizierung ablauf“ oder „factoring anbieter mittelstand“ eingibt, bekommt einen Fließtext, der die Sache erklärt.

Das Bemerkenswerte daran: In keiner einzigen der 31 Suchen mit KI-Antwort stand gleichzeitig ein Kartenausschnitt. Die beiden Formate treten in unserem Datensatz nie zusammen auf. Google entscheidet offenbar zuerst, welche Art von Bedürfnis hinter der Eingabe steht. Sucht jemand einen Anbieter in der Nähe, kommt die Karte. Will jemand eine Sache verstehen, schreibt Google die Erklärung selbst.

Daraus folgt eine Zuordnung, die Sie in zwei Minuten auf Ihren eigenen Betrieb anwenden können. Verkaufen Sie etwas, das der Kunde erst verstehen muss, bevor er anfragt? Dann sind Sie in der 86-Prozent-Hälfte, und die Frage nach der KI-Antwort ist für Sie keine von übermorgen. Verkaufen Sie etwas Gegenständliches, das jemand in der Region sucht? Dann steht bei Ihren wichtigsten Suchen heute eine Karte, und Ihr Hebel heißt weiterhin Local SEO und Google-Maps-Ranking.

Was das mit Ihrer ersten Position macht

In 29 der 31 Fälle stand der KI-Block auf Position 1. Der erste organische Treffer rutschte damit auf Platz 2, ohne dass sich an seinem Ranking etwas geändert hätte.

Die Antworten waren dabei nicht kurz. Im Median 187 Wörter, dazu Zwischenüberschriften und Aufzählungen. Das ist keine Zeile über den Ergebnissen, das ist ein halber Bildschirm. Bei „lohnbuchhaltung outsourcing“ beantwortete Google die Preisfrage direkt im Block, inklusive Spanne von 10 bis 40 Euro pro Mitarbeiter und Monat, und schloss mit einer Rückfrage an den Suchenden: wie viele Mitarbeiter der Betrieb habe und ob eher ein Steuerberater oder ein spezialisiertes Lohnbüro gesucht sei.

Lesen Sie diese zwei Fragen noch einmal. Das ist die Qualifizierung, die bisher im ersten Telefonat mit Ihrem Vertrieb stattfand. Sie findet jetzt vor dem Klick statt.

Wenn Sie wissen wollen, wo Sie bei Ihren wichtigsten Begriffen aktuell organisch stehen, ist das der Ausgangspunkt für alles Weitere in diesem Artikel.

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Die Zahl, die gegen den Alarm spricht

Von 129 Quellennennungen in KI-Antworten standen 73 auch organisch in den Top 10, in null von 17 Antworten fehlte jede Top-10-Domain

Hier wird es für die Budgetfrage interessant, und hier weicht unser Befund von dem ab, was viele Agenturen derzeit verkaufen.

Wir haben für die 17 vollständigen KI-Antworten geprüft, ob die zitierten Quellen auch organisch in den Top 10 derselben Suche stehen. Von 129 Quellennennungen taten das 73, also 57 %. Wichtiger noch: In keiner einzigen der 17 Antworten fehlte jede Top-10-Domain. Im Median zitierte Google vier Seiten, die ohnehin auf der ersten Ergebnisseite standen.

Das dreht die verbreitete Erzählung um. Die KI-Antwort ist in unserem Datensatz kein Paralleluniversum, in das man mit einem eigenen Budget und einer eigenen Disziplin einsteigen müsste. Sie ist überwiegend eine Zusammenfassung dessen, was ohnehin vorne steht. Wer organisch nicht sichtbar ist, wird auch nicht zitiert.

Für einen Geschäftsführer, der gerade überlegt, Geld von klassischer Sichtbarkeit in ein separates KI-Programm umzuschichten, ist das die relevanteste Zahl des ganzen Datensatzes. Die Grundlage bleibt dieselbe. Der Unterschied zwischen GEO und klassischem SEO liegt in unserer Messung weniger im Fundament als in der Aufbereitung darüber.

Was sich ändert, ist der Anspruch an die Form. Eine Seite, die eine Frage sauber und früh beantwortet, wird eher in den Block gezogen als eine, die dieselbe Information über zwölf Absätze verteilt. Das ist der Teil, an dem Optimierung für AI Overviews tatsächlich ansetzt.

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Die Überraschung: YouTube schlägt jede Fachseite

In 15 der 17 auswertbaren Antworten war YouTube unter den zitierten Quellen. Keine andere Domain kam auf mehr als drei Nennungen.

Der Abstand ist nicht knapp. Über alle 17 Antworten hinweg zählten wir 109 verschiedene Quell-Domains, und 104 davon wurden genau ein einziges Mal zitiert. Die Zitierlandschaft ist also extrem zersplittert, mit einer einzigen Ausnahme, und die ist ein Videoportal.

Für die meisten Mittelständler, mit denen wir sprechen, ist Video das Format, das seit Jahren auf der Liste steht und nie drankommt. Diese Zahl verschiebt seine Priorität. Ein erklärendes Video zu der Frage, die Ihre Kunden vor dem Kauf stellen, ist in unserem Datensatz der einzige planbare Weg in die zitierten Quellen, der nicht über die organischen Top 10 führt.

Eine Einordnung dazu gehört aber dazu: Wir haben nicht gemessen, ob diese YouTube-Zitate zu Klicks führen oder ob sie überwiegend auf große Kanäle entfallen. Die Zahl sagt, dass Google dort Antworten holt. Sie sagt nicht, dass ein Video mit 200 Aufrufen denselben Effekt hätte.

Was daraus für Ihr Budget folgt

Aus 50 Suchen lässt sich keine Marketingstrategie ableiten. Eine Reihenfolge schon.

Klären Sie zuerst, in welcher Hälfte Sie stehen. Nehmen Sie die zehn Suchbegriffe, über die tatsächlich Anfragen kommen, und geben Sie sie ein. Sehen Sie eine Karte oder eine KI-Antwort? Diese eine Beobachtung entscheidet, ob das Thema für Sie dieses Jahr Priorität hat oder nächstes.

Wenn Sie eine KI-Antwort sehen, prüfen Sie die zitierten Quellen. Steht Ihr Wettbewerb drin und Sie nicht, hat das in unserem Datensatz zu 57 % damit zu tun, dass er organisch vor Ihnen steht. Dann ist die Aufgabe nicht neu, sie ist nur dringender geworden.

Verschieben Sie kein Budget in ein separates KI-Programm, bevor die organische Basis steht. Das ist die unbequeme Konsequenz aus der 57-Prozent-Zahl, und sie ist unbequem, weil ein neues Programm sich besser anfühlt als die Fortsetzung eines alten.

Wenn ohnehin Videobudget im Raum steht, ziehen Sie es vor. 15 von 17 ist der klarste Einzelbefund dieser Untersuchung.

Wer regelmäßig sehen will, ob und wo die eigene Marke in KI-Antworten auftaucht, findet in unserer Anleitung zum Messen der KI-Sichtbarkeit das Vorgehen dazu. Und wer beim Begriff GEO noch unsicher ist, was damit überhaupt gemeint ist, liest besser zuerst, was Generative Engine Optimization für den Mittelstand bedeutet.

Was diese Untersuchung nicht zeigt

50 Suchbegriffe sind eine Stichprobe, keine Marktforschung. Sie wurden von uns ausgewählt, und eine andere Auswahl hätte andere Anteile ergeben. Die Trennung zwischen den beiden Gruppen war so scharf, dass wir sie für belastbar halten, aber die 86 % sind kein Wert, den Sie auf Ihre Branche übertragen sollten, ohne selbst nachzusehen.

Wir haben an einem Tag gemessen, auf Desktop, an einem Standort. KI-Antworten schwanken über Zeit, Gerät und Region. Ein zweiter Durchlauf in vier Wochen wird andere Einzelwerte liefern.

Wir haben außerdem keine Klicks gemessen. Ob die KI-Antwort tatsächlich Besuche kostet, lässt sich aus Suchergebnissen nicht ableiten, dafür bräuchte man Verlaufsdaten aus der Search Console über den Zeitraum, in dem der Block erschien. Alle Aussagen über Klickverluste in diesem Artikel gibt es deshalb nicht. Wir haben gezählt, was oben steht, und wer zitiert wird.

Was wir für den nächsten Durchlauf ändern: die 14 asynchron nachgeladenen Antworten mit einem Browserabruf erfassen, damit die Zitatanalyse auf allen 31 statt auf 17 beruht.

Häufige Fragen

Bei wie vielen B2B-Suchen zeigt Google inzwischen eine KI-Antwort?

In unserer Untersuchung von 50 deutschen B2B-Suchbegriffen am 24. August 2026 stand bei 31 Suchen eine KI-Antwort, also bei 62 %. Dieser Gesamtwert ist allerdings irreführend, weil er sich sehr ungleich verteilt: Bei Dienstleistungen und Software waren es 86 %, bei gegenständlichen Produkten und Lohnfertigung 0 %.

Warum erscheint bei meinen Suchbegriffen keine KI-Antwort, obwohl alle darüber reden?

Vermutlich verkaufen Sie etwas Gegenständliches, das Kunden regional suchen. In unserem Datensatz hatten 16 der 19 Suchen ohne KI-Antwort stattdessen einen Kartenausschnitt mit lokalen Anbietern. KI-Antwort und Karte traten in keiner einzigen der 50 Suchen gemeinsam auf. Für solche Betriebe bleibt Local SEO der wichtigere Hebel.

Muss ich jetzt Budget von SEO in GEO umschichten?

Unsere Messung spricht dagegen, solange die organische Basis nicht steht. 57 % der in KI-Antworten zitierten Quellen standen ohnehin in den organischen Top 10, und in keiner der 17 auswertbaren Antworten fehlte jede Top-10-Domain. Wer organisch nicht sichtbar ist, wird auch nicht zitiert. Die Grundlage bleibt dieselbe, der Anspruch an klare, früh beantwortende Seitenstruktur steigt.

Welche Quellen zitiert Google in KI-Antworten am häufigsten?

In unserer Stichprobe war YouTube mit Abstand die häufigste Quelle: in 15 von 17 vollständig auswertbaren Antworten. Keine andere Domain kam auf mehr als drei Nennungen. Insgesamt zählten wir 109 verschiedene Quell-Domains, von denen 104 genau einmal zitiert wurden. Die Zitierlandschaft ist also stark zersplittert.

Kostet mich die KI-Antwort Klicks?

Das lässt sich aus Suchergebnissen allein nicht beantworten, und wir haben es deshalb nicht gemessen. Belegen können wir nur die Verdrängung: In 29 von 31 Fällen stand der KI-Block auf Position 1 und schob den ersten organischen Treffer optisch auf Platz 2, bei einer Antwortlänge von im Median 187 Wörtern. Ob daraus weniger Besuche werden, zeigt nur ein Vorher-Nachher-Vergleich in Ihrer eigenen Search Console.

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Louis Münch
Louis Münch
Co-Founder · Growbase

Marketing studiert, vertieft in Barcelona. Übersetzt Marketing-Wissen in Technik — und baut die Engine hinter Alto.

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